Historischer Hintergrund

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Allgemeine Geschichte des Ortes

Vor 1300 – Nachdem das Königsberger Schloss von dem  Deutschen Orden gelegt wurde, kamen Neusiedler nach Preußen. Am Fuße des Berges Mühlenberg zum Osten der Burg entstand eine neue Siedlung – Neustadt (i.e. eine neue Stadt), später genannt Löbenicht.

1300 – Komtur Königsberger Schlosses Berthold von Bruehaven , gewährt der Siedlung am 27. Mai die Stadtrechte. Mit der Zeit gesellten sich zu Löbenicht die benachbarten Gemeinschaften-Vororten Anger und Sackheim  zu (das ärmste Gemeinde in der Umgebung des Schlosses).

1333-1354 – wurde gebaut und im Jahre 1474 umgebaut eine gemeindliche gotische Kirche von Hl.Barbara (deutsch ist: Barbara auf dem Berge), nachdem die  Bevölkerung von Preußen sich zu Luthertum bekannte, wurde sie zu Löbenichtscher Kirche genannt ( Löbenichtsche Kirche.).

1349 – Großmeister des Deutschen Ordens gründete  weibliches Benediktinerkloster von Hl. Maria, das unter  Aufsicht des Hochmeisters Winrich von Kniprode gebaut wurde. Nach der Pestseuche im Jahre 1352, die mehr als 5.000 Menschen tötete, begann das Kloster von Hl. Maria  Versorgung für die Kranken bereitzustellen.

1525 – Gründung einer einheimischen Schule, die eine neuen Start für das  Löbenichtsche  Gymnasium weiterhin brachte.

1531- Seuche „Englisches Fieber“ betraf Königsberg. Herzog Albrecht reorganisiert das Kloster von Hl. Maria, in Dankbarkeit für seine Genesung, ins Frauenheim und in Löbenichtsches Hospital. Von nun an sollten hier statt zwölf Nonnen die Jungfer leben, die sich Protestantismus bekannten. Sechs Personen – von adliger Herkunft und die Sechs noch – aus Bürgern. Und sie sollten alle beide für die Kranken pflegen.

1618 – Herzogtum Preußen vereinigte sich mit Brandenburg, was  einen Kern für das künftige Deutsche Reich geschaffen hatte.

1701 – Kurfürst Friedrich III wurde vom  Kaiser des “Heiligen Römischen Reiches” (im Austausch gegen ein Truppenkontingent für den bevorstehenden Krieg für die  spanische Reihenfolge) zum König ernannt. Der brandenburgisch-preußische Staat wurde zum Königreich. Nachdem anstelle von Königsberg zur Hauptstadt Berlin wurde, begann für das ganze Deutschland eine neue Geschichte – Die Geschichte eines Reiches.

Den 17. Januar 1701 stiftete Kurfürst Friedrich III (1657-1713) am Tag vor seiner Krönung (er bereitete sich König Friedrich I. zu werden) die höchste preußische Ordensgemeinschaft – “Schwarzer-Adler-Orden” Den Orden bekam jener, der vor dem König besondere Verdienste hatte, bzw. er wurde für  die Elite des preußischen Adels bestimmt. Am selben Tag gründete Friedrich das Waisenhaus des “Schwarzen Adlers” für die verwaisenden adligen Kinder. Die Ritter des Ordens spendeten Geldmittel zum Bau  – und nach zwei Jahren wurde das Waisenhaus eröffnet.

Den 18. Januar 1701 – in Königsberg krönte sich der Herzog von Preußen Friedrich III  und seine Frau Sophia-Charlotte und wurde zum  König von Preußen – Friedrich I. Aber die Hauptstadt blieb Berlin noch.

Juli 1724 erfolgte offizielle Entscheidung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. über die seit langer De-facto bestehender Vereinigung von Altstadt, Löbenicht und Kneiphof zu einer Stadt – Königsberg- Hauptstadt von Ostpreußen. Seit dieser Zeit wird Löbenicht zu einem historischen Stadtteil.

Zu Beginn des XVII Jahrhunderts – waren Sackheimer  Tore  Hauptteil der ersten Wallbastion von Königsberg, gebaut nach Entwurf des Professoren von Königsberger Universität Strauss.

1853 – im Zuge der Modernisierung von Befestigungsanlagen wurde Sackheimer Tor nach Entwurf von Ernst Ludwig von Aster  umgebaut.

Kurzgeschichte des Geländes 

Früher gehörte es zu einem großen Hospital, das Baujahr des Gebäudes und seine erste Ausnutzung ist nicht bekannt. Es gibt Information, dass sich in der Nähe von Waisenhaus eine Kirche befand. Es gibt Vermutungen, dass am Ort des Waisenhauses früher eine Kirche stand, welches Sinnbild auf der Stadtkarte des Jahres 1627 zu sehen ist. Zu Beginn war sie selbstständig, und im Jahre 1785 schloss sich mit dem Waisenheim zusammen.

Im Jahre 1809, nachdem die neue Kirche für das Löbenichtsche Hospital gebaut wurde, wurde sie abgebaut. Nachher überging dieser Grundstück in den Besitz    des Grafen von Lehndorff, dann auch des Grafen von Dönhoff, die beiden gehörten sich zu den bekanntesten edlen Familien Preußens.  Da die beiden im höchsten Rang der Regierung von Ostpreußen angehörten, brauchten sie in der Hauptstadt dieses Landes ein städtisches Haus. Außer Residenz in der Sackheimer Straße befand sich auf dem Gelände ein massives haushältiges Gebäude und ein Pferdestall in der Sackheimer Hinter Straße, dazwischen lag ein großer Garten. Vom Grafen Dönhoff überging der Grundstück in den Besitz von Greiswald, der das Gebäude als Wohngebäude genutzt hatte und sehr viel in den auf seinem Gelände liegenden Garten investierte.

Im Jahre 1701 krönt sich der brandenburgisch-preußische Kurfürst Friedrich III in Königsberg und wird zu dem König von Preußen Friedrich I. In Zusammenhang mit diesem Ereignis stiftet er den Fonds für das Waisenhaus. Da der nach langer Suche am Stadtrande am Sackheimer Tor gefundene Geländestück sich sehr weit entfernt von der Kirche befand, protestierten die Hofpriester gegen diese Wahl. Dessenungeachtet wurde dieser Bodenstück im Jahre 1702 gekauft, als besonders passend, und außerdem nicht so teuer, bei dem Besitzer-Mieter Greiswald für 8500 Gulden.

Geschichte des königlichen Waisenhauses

Dem Fonds gehörten 19 Morgen von Bodenacker vor dem Sackheimer Tor (vor der Einfahrt in die Stadt), Landwirtschaftsbetrieb Werdehoff im Labiau Bezirk, von Bezirk Labiau kamen jedes Jahresviertel 180 Täler, 4 Brotgüter, 3 Malzgüter, Brennholz, sowie auch Präferenz der freien Fischerei in Pregel Fluß und die Bierrechte auf die Brauerei für den persönlichen Bedarf. Die Stiftung sollte die Unabhängigkeit des Waisenhauses im finanziellen Sinne so versorgen, dass es das staatliche Budget nicht jedes Jahr stark belasten könnte.

Zur gleichen Zeit gründete der König die Ordensgemeinschaft des Schwarzes Adlers (der höchste preußische Orden), dessen Träger jedes Jahr das Waisenheim finanziell unterstützen sollten, was dennoch nach Sterben des Königs unterbrochen wurde.

Direktor der Höchstabteilung für Bauwesen Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt erlangte den Auftrag für die Neuausrichtung des Waisenhauses, welche 8000 Gulden kosten sollte (von Unfridt erarbeitete den Plan für Barockumbau des königlichen Schlosses, zustande gebracht wurde nur der südostliche Flügel).

Der Umbau des Waisenhauses wurde im Jahre 1704 vollendet, die ersten Waisenkinder wurden schon im Jahre 1703 eingenommen. Der König versprach den Hofpriestern den Anbau einer Kapelle, welche im Jahre 1705 gewiehert wurden. Die Kapelle besuchten auch die in der Nähe wohnenden Bürger, die dem Waisenhaus eine Kirchensteuer zahlten (es gab im Turm eine Glocke möglicherweise).

Eingenommen wurden 12 lutherische Waisenkinder und 12 reformierten, alle bekamen gleiche Uniform. Die Schulung wurde von lutherischen und reformatorischen Priestern durchgeführt, welche auch im Hause wohnten,  und von 4 Informatoren ( so hießen damals die Lehrer), als Regel Pastoratkandidaten. Die beiden religiösen Richtungen in Preußen waren in Konflikt geraten.

Durch die gemeinsamen Verpflichtungen beider religiösen Richtungen erwartete der König eine langfristige Friedensförderung. Die Haushalt führte „Vater des Hauses“, zum Ökonomisten genannt, verantwortlich für Geldwesen und Rechnungswesen (von Inspektoren kontrolliert) und seine Ehegattin, „Mutter des Hauses“, verantwortlich für die Haushalt, Küche und Ankäufe, (in Papieren der Anstalt wurde täglich ein wöchentlicher Speiseplan unter Berücksichtigung einer guten Verpflegungsnahrung vorgeschrieben).

Zur Hilfe hatte sie 2 Dienerinnen, welche die Sauberkeit im Haus und Wäschewaschen absicherten. Dem Waisenhaus gehörten 4 Pferde, 6 Kühe, sowie auch Schweine und Hühner, von einem Hofjungen gefüttert.

Der Plan des Tages, welcher mit Aufstehen um 5 Uhr Morgens begann, war sehr streng geregelt für die Schützlinge.

Im Laufe der Woche gab es 46 Stunden Unterrichte, unterdessen 15 Stunden Latein und 4 Stunden Französisch, dabei die täglichen Gebete und Segenssprüche.

Da die Zöglinge eine freie Berufswahl hatten (später sollten die Lehrer ihre Einwilligung dazu geben), einer von vier Absolventen besuchte die Universität mit Studiengeld bis 1809, die anderen gingen auf die Lehre zu den Handwerkern von Königsberg.

Friedrich Wilhelm I (Sohn von dem ersten preußischen König Friedrich I) gründete im Jahre 1713 zu seiner Thronbesteigung die nächsten 6 kostenfreie Plätze für edle Waisenkinder-Jungen, aber zur gleichen Zeit nahm eine Reihe von Gewinn und Besitzen ab, einige mit oder auch ohne welchen Ersatz, darunter ein Haushalstgebäude in der Hinter Sackheim Straße, Verpflichtung einer königlichen Wirtschaftsbetrieb Kalthof den Boden des Waisenhauses zu ackern, kostenfreie Versorgung mit Arzneimitteln von der Hofapotheke, kostenfreie Versorgung mit Malz für Brauwesen und Spendieren  vom Orden.

Friedrich Wilhelm I sorgte auch um die interne Tagesordnung und um das ordentliche Schulreglement und forderte außerdem  die Prügelstrafe zu beseitigen.

Von 22 Januar 1758 bis 09 Juli 1762 war Königsberg von der russischen Armee besetzt. General Fermor ließ zu, alle preußischen Adler und sonstige Hoheitszeichen in der Stadt abstürzen zu dürfen, nur beim dem Waisenhaus wurde eine Ausnahme gemacht. Man lies dem sein Gründungsdokument mit Drohen einer Verflucht vor.

Den Friedensschluss mit Rußland feierte man damals am 14 Juli 1762 auch im Waisenhaus.

Mehr als 60 Jahre lang bedarf das Gebäude keine Renovierung, ungeachtet dessen sollte im Jahre 1784 das größte Teil von Dachbindern ersetzt werden. Der große Dachboden diente, als damals übrig war, zu einer Lagerhalle. Im Laufe folgender Jahre gehören sich zu Änderungen im Leben des Waisenhauses nur die neuen ständischen Kleidkanons.

Am 02 Dezember 1805 besiegte Napoleon die österreichische und russische Armee bei Austerlitz. Für die fortbewegende russische Armee wurde das Waisenhaus am 02 Februar als Kriegslazarett zur Verfügung gestellt, die Zöglinge sollten ins erforderliche Quartier für 2 oder1/2 Jahre lang, diese Zeit wurde als „babylonische Gefangenschaft“ bezeichnet.

Am 14 Oktober 1806 besiegte Napoleon auch die preußische Armee bei Jena und Auerstedt und nahm im Jahre 1807 Königsberg.

Lehrmethodik

Schock der Niederlage führte in Preußen zu den Reformen, es waren unter dessen wie folgt: Aufhebung der Leibeigenschaft ( Bauernbefreiung) und neue städtische Ordnung (Selbstverwaltung) dank dem Baron von Stein (später war er Berater beim Zaren Alexander I), die Armeereform von General Scharnhorst und die Universitätsreformen von Wilhelm von Humboldt.

Beeindruckt von  der Rede eines bekannten Schülers von Kant, Philosophen Ficht zu der deutschen Nation, träumte Königin Luise vom Aufstieg des Volkes aus Barbarei und Nichtselbstständigkeit zur Erziehung, als Voraussetzung für die Rettung einer Nation. In Zusammenhang damit bestätigte sie das Königliche Waisenhaus als beispielgebende Anstalt einer neuen Volksausbildung, die zukünftige Schule von Preußen.

Tonangebend in der Pädagogik war damals Pestalozzi in der Schweiz. Sein begeisterter Student und der wichtigste Mitarbeiter Carl August Zeller wurde im Jahre 1809 aus der Schweiz auf den Posten des Direktors vom Waisenhaus in Königsberg eingeladen. Man sah in ihm den Mitgründer eines zukunftsweisenden Staates. Der Zeller war so stark von Pestalozzis Methoden überzeugt, er dachte, dass dank diesen Methoden die Kinder aus asozialen Volksschichten für eine kurze Zeit zu einem beispielgebenden Lehrer erzogen werden könnten. Er beseitigte alte Tagesordnung, feuerte alle vorigen Lehrer und Zöglinge und baute das  Gebäude so um, dass der Kirchenraum durch eine Überspannung in zwei Geschosse geteilt wurde, e wurden dort  die Schlafzimmer und Klassenzimmer platziert.

Er verwandelte die Lehranstalt in ein kleines kindisches Land (mit freien und halb freien Räumen), mit Stellenbildungen (Lehrer, Unterlehrer, Erzieher, Untergebener), mit Amtsbüchern und mit Gesetztafeln.

Statt Latein und Religion war Mathe das wichtigste Fach. Jetzt sollte die Schule zu einer Erziehungsanstalt werden, wo die künftigen Lehrer für das Volk ausgebildet werden.Schon im Jahre 1810 zeichnete er 6 Schülern mit dem Titel „Schulmaster“ aus und öffnete für sie eine „normale Schule“ für 50 Plätze, aber es ergab sich daraus nichts, da die Eltern schickten nicht mehr seine Kinder in diese Schule.

Zeller ließ zu, die alten schönen Linden und alle Früchtebäume  absägen zu dürfen, um eine beispielgebende Landwirtschaft (Zöglinge am Pflug) zu betreiben. Ständige übertriebene Experimente führten dazu, dass Zeller schon nach einem Jahr entlassen wurde, aber einige, die von ihm eingeführten Innovationen, wie Vorbereitung von Lehrern und Gartenarbeit wurden aufbewahrt. Der zweite und der dritte unter den nächsten Direktoren waren die Studenten von Pestalozzi.

Auch Friedrich Wilhelm IV und Wilhelm I gründeten zu ihrer Thronbesteigung die neuen 6 Plätze für die Waisenkinder. Im Jahre 1856 sponserte Dickmann, der ehemalige Zöglinge, noch 10 Plätze. Auf solche weise steigerte sich die Zahl von Zöglingen bis auf 70. Deswegen wurde im Jahre 1856 ein Anbau nötig. In normalen Klassen wurden Begabten zu vertiefter Ausübung von Latein und Französisch, sowie auch Altgriechisch, aufgemuntert, was zu einem reibungslosen Übergang in die letzten Klassen bewirkte. Als im Jahre 1870 das Seminar für pädagogische Ausbildung nach Waldau verlegt wurde, schlug der damalige Direktor Dembrovskij vor, die Schule des Waisenhauses im Ganzen in Progymnasium umzubenennen ( eine Art von Gymnasium, wo Latein, Altgriechisch und Französisch als Fremdsprache unterrichtet wurden, aber es gab keine Abschlussprüfungen, notwendig für Eintritt auf die UNI). In seiner Erklärung begründet er seinen Vorschlag damit, dass auf Grund eines hohen Ausbildungsgrades und einer freien Wahl der Schüler „über Jahrzehnte noch keinen Kandidaten für den Beruf eines Handwerkers gab“. Seit 1874 bis 1894 war das Waisenhaus als Progymnasium mit 258 Schülern, für die Kommenden sollte Lehrgeld gezahlt werden.

Allerdings als der Direktor den Anbau eines neuen Schulgebäudes verlangte, wurde das Progymnasium gekündigt und bis auf eine Volksschule herabgesetzt.Im Jahre 1892 wurde das Gebäude wieder umgebaut. Da die Anzahl von Schülern weniger wurde, hatte man die Klassenräume mit Wohnräumen von Zöglingen getrennt und im Nebengebäude wurden die Räume für Handgewebe, Wäscherei und Waschküche eingerichtet. Die 60-70 Zöglinge könnten seitdem eine halbe Stunde später aufstehen und hatten eine nicht so strenge Tagesnorm.

Im Jahre 1920 wurde das Waisenhaus aus königlichen ins staatliche umgelegt. Die Absichten des Regierungspräsidenten das Vermögen des Waisenhauses in das staatliche umzulegen, wurden nicht verwirklicht. Im Jahre 1927 „die Stiftung trug alle Kosten selbstständig, ausschließlich staatlicher Beihilfe für Sonderrenovierung des Gebäudes, welche nur auf Anordnung des Königskabinetts vom 20 September 1856 aus jenem Zeitabschnitt des Baufondfs durchgeführt werden könnte (ehemaligen Patronatsfonds).  Über das Schicksal des Waisenhauses während National-Sozialismus gibt es keine Information in den Dokumenten.

Professor J. Wenzel (Übersetung von N. Kunitskaja)

Berlin, 09.04-17.06.15

In den Nachkriegsjahren wurden die Rekonstruktion und Adaption des Gebäudes durchgeführt. Von 1962 bis 1965 stationierte im Gebäude das Krankenhaus mit dem Gelände und dem Früchtegarten bis Lithauischer Wall 66, in der Nähe war eine Leichenhalle, welche in 1968 abgebaut wurde. In den 70-er Jahren stationierte in dem Gebäude des ehemaligen Waisenhauses die Apotheke Nr. 13 und Organisationen der Dienstleistungen für die Bevölkerung.

Im Jahre 2003 geschah in dem südwestlichen Flügel ein Brand, dadurch wurden das Dach und Überdachung des zweiten Geschosses rekonstruiert.

Zur heutigen Zeit ist dieses unscheinbare Gebäude mit schilfrigen Mauern  eines der ältesten in Kaliningrad, spielt keine wichtige soziale Rolle, befindet sich im Privateigentum, drinnen sind Objekte des Handelsverkehrs und Servicebereiche stationiert, unter anderem ein Möbelsalon, Geschäft für Autoersatzteile und Photoatelier, und andere kommerziellen Betriebe.

Gebäudearchitektur (architektonisch-künstlerische Analyse des Objektes) 

Im Plan stellt  das Gebäude eine P-Form,  mit der stark gebildeten Symmetrie des häuptlichen 2-geschossigen rechteckigen Raumes mit Walmdach und mit 2 Nebengeflügeln, 1,2 und 3 Geschosse vor, welche einen halboffenen Hofraum mit sich bilden.    Stirnwände sind dicht mit Nebeneingängen in die Keller.

Hauptaußendekoration befindet sich  an der Nordfassade und besteht aus architektonischen Elementen des Haupteingangsportales und zwei symmetrischen, bestehend aus dekorativen Pylonen, Frontispizen, Auslegern, Rücklagen und profilierten Gesimsen.

In der Mitte der Hauptfassade des zweistöckigen Hauptgebäudes ist ein Risalit mit dem architektonisch gestalteten  profilierten Portal des Haupteingangs  mit einem dreieckigen Frontispitz auf Konsolen und über dem zentralen Fenster. Symmetrisch zu dem sind die  Seitenportale der Eingänge mit Dreiecksfrontispitzen – den Elementen der Außendekoration . An den Fassaden der Stirnfrontgiebeln des dreistöckigen Flügels gibt es  Dekorationen in Form einfachter Maschikuli. Die Formen und Abmessungen der rechteckigen Fenster und Türöffnungen sind proportioniert worden. 

In der Mitte des zweistöckigen Gebäudes über Risalit, befand sich ein achtwinkeliges Türmchen im Barockstil. Im Jahre 1705 wurde an dem Türmchen eine Bronzeskulptur  – Dachfahne “Preußischer Adler” eingerichtet, die Arbeit von Schultheiss von Unfridt. Während des siebenjährigen Krieges die Dachfahne mit dem preußischen Adler wurde gegen den russischen zweiköpfigen Adler ersetzt, aber nach der Rückkehr Königsbergs unter die Gerichstbahrkeit von Preußen wurde er zurück gebracht. Leider hatte dieser Turm, der bekannteste Teil des Gebäudes, der sein charakteristisches Aussehen gestaltete, den zerstörerischen  Angriff auf die Stadt im Jahr 1945 nicht überleben. Auch beim Wiederaufbau nach dem Krieg verschwand sein steil geneigtes Ziegeldach, aber im sonsten haben sich die  architektonischen Anlageformen nicht geändert. Die Innenausstattung ist nicht erhalten geblieben, da bleibt nur die Form einer zweiläufigen Holztreppe, verkleidet  jetzt mit modernen Ausbaumaterialien.

Infolge der Restaurierungsarbeiten hat das Gebäude Portale erhalten, Fenster und Gesimse, verlor aber den Turm und wurde inseitig umgebaut.

Das Gelände rund um das Denkmal hat zum Teil den historischen Charakter innebehalten, zusammen mit Sackheimer Tor und historischer Bebauung entlang der Lithauischer Wall Straße der  1920-er Jahre und dem Gebäude des königlichen Waisenhauses, bildet die städtische Umwelt von diesem Stadtteil den unbestrittenen historischen Wert für Kaliningrad.

Laut der Regierungsverordnung Nr. 132 von Kaliningrad Oblast vom 23. März 2007 hat das Königliche Waisenhaus  den Status eines Objekts des kulturellen Erbes von regionaler Bedeutung erhalten.

Daten zu Architektoren, Baumeistern und Besitzern des Objektes 

Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt,  Hofarchitekt und Baumeister, Projektautor der neuen Tragheimer Kirche – lutherischer Kirche in Tragheim. (Königsberg).

Architekt Schultheiß von Unfriedt ist Projektautor für eine umfangsreiche Rekonstruktion des Schlosses in Königsberg. Von 1705 bis 1713 führte er das Bauen des südwestlichen Flügels für das neue königliche Schloss (Barock) im Palast von Königsberg aus. Bauarbeiten wurden während des siebenjährigen Krieges von den russländischen Gouverneuren zu Ende gebracht. Die neue Ausstattung der Burgkirche, geschaffen in 1705-1710, wo die Krönung der preußischen Könige stattfand, gehört auch der Hand dieses Meisters.

In den Jahren 1733-1736 wurde lt. seinem Projekt das Kirchengebäude für das französische protestantische Gemeinde  in der Königstrasse in Königsberg aufgebaut.

Nachdem König von Preußen Friedrich Wilhelm I im Jahre 1713 gekrönt wurde, bekleidete Schultheiß Funktion des Direktors fürs Bauwesen in Berlin.

Er kehrte nach Königsberg im Jahre 1721 nach seinem Amtsantritt für Wiederaufbau von Ostpreußen nach der Pest 1708-1711, wo er als Aufgabe hatte, die neuen Stadtpläne zu projektieren, gebaut in Provinz.

Von Unfridt ist der Autor von regulären Stadtplänen wie Darkehmen (heute Osjersk), rekonstruiert rund um den Handelsplatz der Stadt, auch Gumbinnen (heute Gusjev), mit der von ihm gebauten reformatorischen Kirche in 1736-1739, sowie auch welche anderen Städte von Ostpreußen.

Königliches Waisenhaus –  ist das einzige bis auf unsere Zeit erhalten gebliebene Gebäude dieses  Architekten. Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt stierb in Königsberg.

Kurze Chronologie von Bauen, Wiederhestellung, Umbau und Überholungen 

 XV-XVI – vermutliche Existenz der Kirche

1701 – Anfang der Rekonstruktionsmaßnahmen zu Waisenhaus (Direktor der Höchstabteilung für Bauwesen Joachim Ludwig Schuiltheiß von Unfriedt)

1704 – Die Rekonstruktionsarbeiten sind beendet

1784 – Offenlegung der verwesenden Teile des Dachverbandes.Reparaturen, Rekonstruktion und Sanierung der meisten Teile von Dachbindern waren durchgeführt.

1809 – Umbau und Rekonstruktion des Gebäudes. Trennung des Kirchenareals durch eine Überlappung in zwei Geschosse, mit Unterbringung von Schlafzimmern und Klassenzimmern  dort. (Initiative von Carl August Zeller)

1821-1822 – der erste Stock wird in gemeinsames Schlafzimmer und Erdgeschoss in zwei Schulräume umgebaut.

1856 – Bauen des dreistöckigen südwestlichen Flügels – Anbau zu dem Hauptgebäude bezugnehmend auf die Mengensteigerung von Schülern und für die Unterbringung der zusätzlichen Klassenräume

1892 – Gebäuderekonstruktion und Bauen des eingeschossigen Flügels zu dem zweistöckigen südöstlichen Flügel, wo die Räume für Handgewebe, Wäscherei und Waschküche eingerichtet werden.

Mitte XX – Rekonstruktion und Renovierung in den Nachkriegszeiten, Nebengebäude zu dem zweistöckigen südwestlichen Flügel, Wiederaufbau des einstöckigen Flügels.

2003 – Rekonstruktion des dreistöckigen südwestlichen Flügels

Quellenverzeichnis

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Archiv-Straße 12-14, 14195 Berlin Königliches Waisenhaus Königsberg, Gründungsakten und Haushaltswesen im Waisenhaus XVIII Jahrhundert.

Suche nach der elektronischen Datenverarbeitung: Waisenhäuser XVIII Jahrhundert.

Geheimrat Gervaise: Anmerkungen über Stiftungen einer späteren und einer neueren Zeit in Königsberg, in den “Kundenbeiträgen von Preußen”, der dritte Band,  das erste Notebook, Königsberg 1819

Baldur Köster: Königsberg. Architektur aus deutscher Zeit.  Husum Verlagsgesellschaft, 2000.

Rode, Wilhelm: Königliches Waisenhaus zu Königsberg in Preußen. 1701 – 1901, Festschrift zum 200. Jahrestag der Gründung, den 18. Januar 1901 Breslau 1901

Frank Schmitz: Großes Waisenhaus zu Potsdam (Die Neuen Architekturführer),Berlin 2006.

Ausstellung zur Geschichte des Hauses in dem Gebäude der Stiftung des großen Waisenhaus zu Potsdam.

Das Buch über die Entwicklung der deutschen Bildung, Verlagsgesellschaft Pekar, München

Band I,  “vom XV bis XVII Jahrhundert,” Hammerstein N. Buk, A., 1996

Band II “, XVIII Jahrhundert”, Hammerstein N., Herrmann, W., 2005

Band III “1800-1870 Jahre” Yaysmann K-E., P. Lundgreen, 1987 ..

Gruppe von Autoren Kapitel 4. Kunst und Kultur (Teil “Architektur”) // Königsberg Kaliningrad: eine illustrierte enzyklopädische Guide / Herausgegeben von A. Przhezdomsky. – Kaliningrad, Yantarny Skaz Verlag , 2005. – S. 98. – 800. – ISBN 5 7406 0840 5

Gubin, AB, Strokin VN Essays über die Geschichte Königsberg – Kaliningrad: Kaliningrader Bücherverlag, 1991

http://forum.kenig.org/viewtopic.php?f=8&t=1019&start=15 2012